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Historisches

Der Ort Teugn hat eine sehr lebhafte Geschichte. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes stammt aus dem Jahr 780. In den Napoleonischen Kriegen wurde der Ort auch einmal Schauplatz einer Schlacht zwischen französischen, österreichischen und bayerischen Truppen. Anlässlich des Napoleonjahres 2009 zeigte das Hofmuseum Blümel in Thronhofen eine Sonderausstellung zu der großen Schlacht, die am 19. April 1809 zwischen den Orten Teugn und Hausen tobte.
Neben Textdokumenten finden sie hier auch Bilder und Zeichnungen aus vergangenen Tagen.
 
Wenn sie genauer an der geschichtlichen Entwicklung des Ortes interessiert sind, sollten sie sich das Heimatbuch der Gemeinde Teugn "Teugn - vom königlichen Kammergut zur Gemeinde" zulegen. Dieses, gut 700-seitige Werk, das von Hans Wagner verfasst wurde, ist im Verlag der Gemeinde Teugn erschienen und kann zum Preis von 5 € im Einzelhandelsgeschäft Stubenrauch in Teugn, im Rathaus in Saal a.d.Donau oder in den Amtsräumen des Bürgermeisters neben der Mehrzweckhalle erworben werden. Darin ist alles Wissenswerte der Geschichte der Ortschaft und der Pfarrei Teugn beschrieben. Vom Anbeginn, der Römerzeit über das Mittelalter bis zu den Weltkriegen und den letzten Jahren.

 


 

Geschichtliche Entwicklung

Das Tal um den Ort Teugn ist uraltes Siedlungsgebiet.
Der älteste urkundliche Nachweis über das Bestehen des Ortes findet sich in einem Schriftstück des Kanzlers Herzog Tassilos III., Crantz, aus dem Jahre 780, in dem dieser die bekannte Sage von der "ehebrecherischen" Störchin festhielt. Uns überbrachte diese Geschichte kein Geringerer als der Vater der bayerischen Geschichtsschreibung, Johannes Thurmaier aus Abensberg, der sich nach seinem Herkunftsort "Aventinus" nannte, und dessen Vorfahren möglicherweise aus Teugn stammten.
 
Gute 70 Jahre jünger als die Aufzeichnungen des Kanzlers ist eine Urkunde vom 31. März 856, als bei einem Tauschgeschäft zwischen Bischof Anno von Freising und den Adeligen Reginpato und dessen Sohn Alpuni (Album, Albin) diese ihren Besitz zu Lengfeld und in Teugn mit Besitz in Oberbayern vertauschten.
 
In der in lateinischer Sprache abgefaßten Urkunde heißt es u. a.:
«Econtra in recompensatione harum rerum dederunt memorati Reginpato et flijus eius Alpuni ex suo proprio supradicto episcopo ad partem monasterii sui villarn que dicitur Lenginueld quarn veteres Alpunessteti norninaverunt et in alio loco ad Tigingun curtern curn ecclesia et domum cum alus aedjficiis colonica VII de terra arabih, de silva hobas 1111 or (= quatuor), de pratis carradas XXXIII, manicipia III, molendinam 1, quia quod illis superest in pratis nobis redundat in silvis, portum in Danubio, navigationem, in silvis exstirpationem vias pervias aquas aquarumve decursus exitus et reditus omnia in omnibus sicut ad eandam villam pertinere dinoscitur«.
 
Die Übersetzung ins Deutsche lautet:
(im Tauschwege gaben dagegen die erwähnten Reginpato und sein Sohn Alpuni aus ihrem Eigentum dem vorgenannten Bischof als Teil seines Klosters ein Dorf, Lengfeld genannt, das die Alten Alpunessteti (= Hofstelle des Alpuno) genannt haben und in einem anderen Ort zu Tigingun einen Gutshof mit einer Kirche, einem Herrschaftshaus mit anderen Gebäuden, sieben Joch Ackerland, vier Wald-Huben, 33 Fuder Wiesen (= Wiesen, auf denen gewöhnlich 33 Fuder Heu heranwuchsen), drei Leibeigene und eine Mühle. Weil das, was sie an Wiesen erhielten, mehr war (als sie gaben), strömte uns zu erhielten wir, d. i. der Bischof) dies an Wäldern, ein Hafen (Lände, Anlandestelle) in der Donau, das Schiffahrtsrecht, in den Wäldern ein Rodungsrecht, wegsames und unwegsames Gelände, Wasserflächen und alles, was zu jenem Gutshof gehört).
 
Das heutige Teugn hieß also vor 1133 Jahren Tigingun. Dies könnte den Schluß zulassen, daß der Ort seinen Namen von einem Dio, Tieco oder Tiecho ableitet, der in der sogenannten urkundenlosen Zeit, zur Zeit der bayuwarischen Landnahme im 5. oder 6. Jahrhundert, eine wichtige Person in dieser Ansiedlung gewesen sein dürfte. Die Tatsache, daß der Ort heute Teugn heißt, soll auf einen Schreibfehler zurückzuführen sein. Dazu heißt es im Codex diplomat. Ratisponensis T. 1. P. auf Seite 280: "Durch einen Druckfehler ist hier anstatt Tegingen gesetzt worden Teuingo." Das erklärt, dass aus Tegingen nicht Teging wurde, sondern Teung - Teugen und Teugn.
 
"Für die in der Literatur hin und wieder enthaltene Behauptung, die Römer hätten Teugn Tegunum genannt, konnte ich keinerlei Beweise finden. Ich halte diese Angabe für nicht ganz glaubhaft, wenn-gleich ich einen Gegenbeweis nicht antreten kann. Auch für die in der Literatur vertretene Angabe, daß Teugn um das Jahr 900 von den Magyaren (Ungarn) zerstört worden sei, konnte ich keine Beweise oder Anhaltspunkte finden. Damit soll aber hier nicht gesagt sein, daß dies nicht der Fall war. Dies vor allem deshalb nicht, wenn man bedenkt, daß zu Beginn des 10. Jahrhunderts das nicht weit entfernt gelegene Kloster Weltenburg so gründlich zerstört wurde, daß erst siebzig Jahre später mit einer Wiederbesetzung begonnen werden konnte. Die zeitlich nächste Erwähnung Teugns stammt vom 24. November 1002, als König Heinrich II., der Heilige, sein Kammergut in Tiginga mit einer Kirche und sonstigen Zugehörungen an Bischof Album von Brixen schenkte. Ohne den Beweis dafür antreten zu können, bin ich der Meinung, daß es sich bei diesem Kammergut und der Kirche um den Gutshof handelte, den am 31. März 856, wie oben aufgeführt, Bischof Anno von Freising eingetauscht hatte. Bei der im Jahre 856 eingetauschten Mühle dürfte es sich um die heutige Perzlmühle (am Mühlbach) gehandelt haben. Sie dürfte 1002 mit nach Brixen geschenkt worden sein; sie war jedenfalls bis 1803 im Besitz des Hochstifts Brixen."
 
 
Auszug aus "Teugn - Vom königlichen Kammergut zur Gemeinde" von Hans Wagner.

 


 

Die ungetreue Störchin zu Teugn

Johannes Aventinus, der gebürtige Abensberger, dessen 500. Geburtstag sich 1977 jährte, hat in seiner Bayerischen Chronik (1522-1533), die die deutsche Bearbeitung der "Annalen" darstellt, auch immer wieder auf seine engere Heimat Bezug genommen, getreu seiner Aussage:
"... dieses land, darin ich dan geborn bin, wil ich am maisten fürnemlich herfür putzen ..."
 
Im 3. Buch, im 66. Kapitel erzählt er die Sage von der "ehebrecherischen Störchin" zu Teugn, die von ihm bereits die Brüder Grimm für ihre Deutschen Sagen übernahmen. Auch in den Kelsgausagen findet sich die Begebenheit abgedruckt, allerdings nicht im Originaltext. Um von dem Zauber der Aventinischen Sprache einen Eindruck zu vermitteln, bringen wir die Sage hier im ursprünglichen, unverfälschten Wortlaut.
 
"under ithgenantem herzog Haunprecht schreibt Crantz, der canzler herzog Thessels des dritten ist gewesen, gar ain seltsam wunder vonden storchen, das geschehen ist in undern Baiern oberhalb Abbach nit weit von der Thonau in ainem dorf, so ma itzo Teygen nent. Es sei dieselbig zeit der ébruch gemain gewesen (spricht itzgenanter canzler), hab got an wollen zaigen, wie er so hart den ébruch strafen wird, dieweil in die unvernünftigen tier nit leiden, sunder so hart strafen. Und ist das das Wunderwerk:
 
Zu teygen hat ain par storchen gnistelt, haben nu air ghabt. Dieweil die störchin prüet hat und der storch aus umb narung geflogen, ist ain ander Storch zu der störchin komen, hat nach der storchen art umb si buelt und zelest überkomen. Nach verbrachtem ébruch ist die störchin ins feld zu ainem brun geflogen, hat sich alda tauft und abgewachsen, ist darnach wider an das nest geflogen; ist ir storch wider komen, hat nichts entpfunden. Das hat die storchin all tag, bis si auch junge gehabt, mit dem ébrecher triben; ist alwegen zum brun geflogen dermassen, wie gemalt. Solchs hat gemerkt und wargenommen ain pauer auf dem veld, hat sich sehr verwundert, warumb doch die störchin alle tag zum brun flieg und sich dermassen bad; hat den brun mit ainer hurt und Stainen vermacht. Ist die störchin wider komen, der paur hat zugesehen von weiten. Da si zu dem brun nit kunt, hat sie feintlich getan, ist doch zelest zum Nest geflogen. Da is ir storch komen (was er geschmeckt hat waiß ich nit), ist an die Störchin gefallen, si hat sich gewert; ist der storch davon geflogen, ist nimmer komen, die störchin hat allain die nungen erneren müessen.Nachmals umb sant Lorenzen tag, da die storchen weg zu fliegen pflegen, ist der storch wider komen, hat vol unsäglich ander storchen mit im bracht. Da sich die störchin mit iren jungen zu inen hat tuen wöllen, sein die andern storchen all in si gefallen, habens erstochen und zu klainen stücklein zerpfenkt. Davon ist ain gemain sprichtwort aufkomen: du kanst es nit schmecken, oder man schmeckt's nit." 
 

Dorfplatz
 

Der Brunnen am Dorfplatz zeigt die Geschichte der ungetreuen Störchin