Gemeinde Teugn

  
Geschichtliche Entwicklung


Das Tal um den Ort Teugn ist uraltes Siedlungsgebiet.
Der älteste urkundliche Nachweis über das Bestehen des Ortes findet sich in einem Schriftstück des Kanzlers Herzog Tassilos III., Crantz, aus dem Jahre 780, in dem dieser die bekannte Sage von der "ehebrecherischen" Störchin festhielt. Uns überbrachte diese Geschichte kein Geringerer als der Vater der bayerischen Geschichtsschreibung, Johannes Thurmaier aus Abensberg, der sich nach seinem Herkunftsort "Aventinus" nannte, und dessen Vorfahren möglicherweise aus Teugn stammten.

Gute 70 Jahre jünger als die Aufzeichnungen des Kanzlers ist eine Urkunde vom 31. März 856, als bei einem Tauschgeschäft zwischen Bischof Anno von Freising und den Adeligen Reginpato und dessen Sohn Alpuni (Album, Albin) diese ihren Besitz zu Lengfeld und in Teugn mit Besitz in Oberbayern vertauschten.

In der in lateinischer Sprache abgefaßten Urkunde heißt es u. a.:
«Econtra in recompensatione harum rerum dederunt memorati Reginpato et flijus eius Alpuni ex suo proprio supradicto episcopo ad partem monasterii sui villarn que dicitur Lenginueld quarn veteres Alpunessteti norninaverunt et in alio loco ad Tigingun curtern curn ecclesia et domum cum alus aedjficiis colonica VII de terra arabih, de silva hobas 1111 or (= quatuor), de pratis carradas XXXIII, manicipia III, molendinam 1, quia quod illis superest in pratis nobis redundat in silvis, portum in Danubio, navigationem, in silvis exstirpationem vias pervias aquas aquarumve decursus exitus et reditus omnia in omnibus sicut ad eandam villam pertinere dinoscitur«

Die Übersetzung ins Deutsche lautet:
(im Tauschwege gaben dagegen die erwähnten Reginpato und sein Sohn Alpuni aus ihrem Eigentum dem vorgenannten Bischof als Teil seines Klosters ein Dorf, Lengfeld genannt, das die Alten Alpunessteti (= Hofstelle des Alpuno) genannt haben und in einem anderen Ort zu Tigingun einen Gutshof mit einer Kirche, einem Herrschaftshaus mit anderen Gebäuden, sieben Joch Ackerland, vier Wald-Huben, 33 Fuder Wiesen (= Wiesen, auf denen gewöhnlich 33 Fuder Heu heranwuchsen), drei Leibeigene und eine Mühle. Weil das, was sie an Wiesen erhielten, mehr war (als sie gaben), strömte uns zu erhielten wir, d. i. der Bischof) dies an Wäldern, ein Hafen (Lände, Anlandestelle) in der Donau, das Schiffahrtsrecht, in den Wäldern ein Rodungsrecht, wegsames und unwegsames Gelände, Wasserflächen und alles, was zu jenem Gutshof gehört).

Das heutige Teugn hieß also vor 1133 Jahren Tigingun. Dies könnte den Schluß zulassen, daß der Ort seinen Namen von einem Dio, Tieco oder Tiecho ableitet, der in der sogenannten urkundenlosen Zeit, zur Zeit der bayuwarischen Landnahme im 5. oder 6. Jahrhundert, eine wichtige Person in dieser Ansiedlung gewesen sein dürfte. Die Tatsache, daß der Ort heute Teugn heißt, soll auf einen Schreibfehler zurückzuführen sein. Dazu heißt es im Codex diplomat. Ratisponensis T. 1. P. auf Seite 280: "Durch einen Druckfehler ist hier anstatt Tegingen gesetzt worden Teuingo." Das erklärt, daß aus Tegingen nicht Teging wurde, sondern Teung - Teugen und Teugn.

"Für die in der Literatur hin und wieder enthaltene Behauptung, die Römer hätten Teugn Tegunum genannt, konnte ich keinerlei Beweise finden. Ich halte diese Angabe für nicht ganz glaubhaft, wenn-gleich ich einen Gegenbeweis nicht antreten kann. Auch für die in der Literatur vertretene Angabe, daß Teugn um das Jahr 900 von den Magyaren (Ungarn) zerstört worden sei, konnte ich keine Beweise oder Anhaltspunkte finden. Damit soll aber hier nicht gesagt sein, daß dies nicht der Fall war. Dies vor allem deshalb nicht, wenn man bedenkt, daß zu Beginn des 10. Jahrhunderts das nicht weit entfernt gelegene Kloster Weltenburg so gründlich zerstört wurde, daß erst siebzig Jahre später mit einer Wiederbesetzung begonnen werden konnte. Die zeitlich nächste Erwähnung Teugns stammt vom 24. November 1002, als König Heinrich II., der Heilige, sein Kammergut in Tiginga mit einer Kirche und sonstigen Zugehörungen an Bischof Album von Brixen schenkte. Ohne den Beweis dafür antreten zu können, bin ich der Meinung, daß es sich bei diesem Kammergut und der Kirche um den Gutshof handelte, den am 31. März 856, wie oben aufgeführt, Bischof Anno von Freising eingetauscht hatte. Bei der im Jahre 856 eingetauschten Mühle dürfte es sich um die heutige Perzlmühle (am Mühlbach) gehandelt haben. Sie dürfte 1002 mit nach Brixen geschenkt worden sein; sie war jedenfalls bis 1803 im Besitz des Hochstifts Brixen."

Auszug aus "Teugn - Vom königlichen Kammergut zur Gemeinde" von Hans Wagner.